Inseln und Halligen: Schnelles Internet ist Standortfaktor

Inseln und Halligen: Schnelles Internet ist Standortfaktor

Sonnenaufgang über der Hallig Oland

(Bild: Markus Trienke, CC BY-SA 2.0 )

Kostenlose WLAN-Hotspots (nicht nur) für Touristen, Telemedizin auf den Halligen oder E-Learning-Angebote in der Inselschule: Nicht nur in Metropolregionen wird schnelles Internet gebraucht.

Schnelles Internet ist nicht nur für Metropolregionen, sondern auch für die Inseln und Halligen Schleswig-Holsteins ein bedeutender Standortfaktor – gerade auch im Tourismus. „Die Gäste kommen an und das zweite, nach dem sie fragen, ist das Passwort fürs Internet“, sagte die Bürgermeisterin der Gemeinde Utersum auf Föhr, Göntje Schwab. Sie hofft auf WLAN-Hotspots über die Region Uthlande etwa am Strand, „weil das den Kurort aufwertet“. Bisher sei die Internetversorgung in Utersum ziemlich schlecht, findet die Bürgermeisterin.

Auch auf anderen Inseln und Halligen hofft man auf ein WLAN-Netz. „So etwas wollen wir gerne aufbauen“, sagte die Geschäftsführerin der Insel- und Halligkonferenz (IHKO), Natalie Eckelt. Unter anderem über dieses Projekt wollen die Vertreter der nordfriesischen Inseln und Halligen sowie Helgoland auf der 40. Mitgliederversammlung der IHKO am Dienstag in Kiel beraten. Denn: Teilweise bilde das Vorhandensein von (kostenlosen) Internetzugängen schon eine Grundvoraussetzung für Urlaubsentscheidungen.

Debatte: Breitband-Ausbau in Deutschland

Glasfaser-Internet ist in Deutschland ein Ladenhüter. Kein Wunder, denn Vectoring sei wirtschaftlich meist sinnvoller: Glasfaser für Alle? Welch ein Unfug!, kommentierte Ernst Ahlers – und löste damit eine heftige Debatte aus, nicht nur im Diskussionsforum. Einige Reaktionen Pro und Contra:

Aber nicht nur im Wettbewerb um Urlauber ist ein schnelles Internet von Vorteil, sondern auch in anderen Bereichen wie der Telemedizin, sagte Eckelt. Ein Modellprojekt gibt es etwa auf Hallig Hooge, wo die geschulten Ersthelfer beispielsweise EKG-Daten eines Patienten an ein medizinisches Beratungsteam auf dem Festland senden und in Echtzeit beraten werden. Dies könne die Entscheidung erleichtern, ob der Rettungshubschrauber geschickt werden muss oder die Fähre am nächsten Morgen genommen werden kann, sagte Eckelt. Aber auch für „E-Learning-Angebote braucht es den Breitbandausbau, sonst funktioniert so etwas nicht“.

Dass der Breitbandausbau nicht nur in Metropolregionen wichtig ist, weiß auch die Politik in Kiel. „Die Inseln und Halligen sind oft Brennglas der Herausforderungen im ländlichen Raum insgesamt. Demographischer Wandel, wirtschaften mit der Natur, Schaffung gleicher Lebensverhältnisse, Schule, medizinische Versorgung, alles ist hier schwieriger zu gewährleisten“, sagte Digitalminister Robert Habeck (Grüne). „Andererseits sind sie eben auch Testlabore für die Zukunft. Wenn es auf den Insel- und Halligen funktioniert, dann funktioniert es überall.“ Die Digitalisierung biete neue Möglichkeiten, innovative Lösungen zu finden – von Telemedizin über den Tourismus bis hin zu intelligenten Logistikkonzepten zur Versorgung der Insel und Halligen.

Zuletzt investierte das Land rund 3,5 Millionen Euro in den Ausbau des Glasfasernetzes auf Föhr, Amrum und Pellworm. Entsprechende Förderbescheide überbrachte Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) Ende August. Das neue Turbo-Internet auf den Nordseeinseln werde dazu beitragen, den Wirtschafts- und Lebensraum langfristig zu stärken, sagte der Minister damals. Für die Landesregierung ist Glasfaser die einzig zukunftssichere Breitbandtechnologie. Sie verfolgt das Ziel, bis 2025 weitestgehend eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser zu erreichen.

Utersums Bürgermeisterin Schwab freut sich, dass ihre Gemeinde bei der jetzigen Förderung dabei ist. Sie hofft, dass bis 2019 die Anschlüsse zu den Häusern gelegt sind. Und die Urlauber am Strand sitzend einen tollen Sonnenuntergang fotografieren und gleich auf Instagram oder Facebook präsentieren können. (dpa) / (kbe)

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