Das digitale Erbe konservieren

Das digitale Erbe konservieren

Wie lange halten wohl die Festplatten im Schrank? Was wird aus den Dateiformaten früherer Jahrzehnte? Wer regelt den persönlichen digitalen Nachlass? Der Digital Preservation Day soll an das digitale Erinnern erinnern.

Das komplexe Themengeflecht um die Nachhaltigkeit digitaler Daten bewegt Privatpersonen, aber auch zahlreiche digitale Communities spätestens seit Ende der 1990er Jahre. Im Nachhall einer breiten und auch intensiv öffentlich geförderten Digitalisierungswelle kam bereits vor 20 Jahren die Frage auf, wie Wissenschaft und Kultur, Industrie und Verwaltung digitale Daten dauerhaft lesbar und verfügbar halten können. Auch Privatpersonen befassen sich mit den zahlreichen Fragen der digitalen Langzeitarchivierung, sei esaufgrund gesetzlicher Regelungen zu Aufbewahrungsfristen oder aus persönlichem Interesse.

Die 2001 an der University of York gegründete Digital Preservation Coalition (dpc) ist eines der ersten europäischen Expertennetzwerke, in denen Belange der digitalen Langzeitarchivierung erforscht, systematisiert und dokumentiert werden. Angestoßen von der dpc findet am 30. November 2017 erstmals der International Digital Preservation Day statt. Er wird zukünftig jährlich jeweils am letzten Donnerstag im November wiederholt.

Der bewusst offen gehaltene Digital Preservation Day soll Einblick in die täglichen Aktivitäten derjenigen bieten, die sich aus beruflichen oder privaten Gründen mit dem Erhalt digitaler Daten befassen. Hierbei will die dpc ein möglichst breites Spektrum an persönlichen Erfahrungen und praktischen Aktivitäten abdecken, aber auch die zahlreichen Herausforderungen thematisieren. Über positive wie negative Erfahrungen mit digitalen Erhaltungsstrategien berichten dpc-Mitglieder im Blog der dpc.

Auch in Deutschland existiert mit dem Kompetenznetzwerk nestor seit 2003 ein wissenschaftsnahes Forum für die digitale Langzeitarchivierung. Mit der britischen Digital Preservation Coalition besteht seit Beginn ein Kooperationsabkommen sowie ein reger inhaltlicher Austausch.

Einiges ist bereits erreicht worden: Während digitale Erhaltungsstrategien z.B. für veraltende Dateiformate oder die Haltbarkeit von Datenträgern technisch weitgehend als erforscht gelten, warten speziell auf Privatpersonen noch große organisatorische Herausforderungen. Im Mittelpunkt steht dabei die Aufgabe, ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein für die Vergänglichkeit digital gespeicherter Information zu schaffen.

Derzeit erarbeitet die nestor-Arbeitsgruppe Personal Digital Archiving ein deutschsprachiges Forum zum Thema, das sich vor allem an die breite Öffentlichkeit richtet. Eine zugehörige Website soll 2018 ans Netz gehen – das sollte jedoch niemanden davon abhalten, sich bereits jetzt um die Sicherung seiner persönlichen digitalen Erinnerungen zu kümmern.

Siehe dazu:

(Martin Iordanidis) / (ll)

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