Unix-Fehde: Täuschungsvorwurf gegen IBM als rettender Strohhalm für SCO?

In dem seit 15 Jahren andauernden Verfahren zwischen SCO und IBM wird weiter verhandelt. Nun muss geklärt werden, ob IBM mit einer Schein-Version von AIX das SCO-Geschäft schädigte.

Neues von einem alten Schlachtfeld: Der Rechtsstreit zwischen dem Unix-Anbieter SCO und IBM geht in eine weitere gerichtliche Runde. In Denver, Colorado (USA), hat am gestrigen Montag das auch für den Bundesstaat Utah zuständige 10. Berufungsgericht dem Einspruch der SCO Group gegen eine Entscheidung des Richters David Nuffer vom Februar 2016 teilweise stattgegeben. Der Fall wurde zur erneuten Verhandlung an Nuffer in Salt Lake City, Utah, zurück überwiesen. Nach Auffassung des Berufungsgerichts ist zu klären, ob IBM während der gemeinsamen Entwicklung am Projekt Monterey eine „Schein-Version“ von AIX in seinem Beta-Testprogramm veröffentlichte und damit den Geschäftspartner SCO arglistig täuschte („in bad faith“). Das von Nuffer zugunsten von IBM gefällte Urteil, dem zufolge „Big Blue“ damit keine unerlaubte Geschäftshandlung (tortius interference) begangen hat, wurde vom Berufungsgericht hingegen bestätigt und ist damit rechtswirksam.

Als rettender Strohhalm für die 2007 in die Insolvenz (Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts) gegangene SCO Group hat sich nach der Wiederaufnahme des Verfahrens im Jahre 2013 nunmehr die Argumentation erwiesen, dass IBM am 4. Mai 2001 eine Schein-Version („sham version“) von AIX zum internen Beta-Test veröffentlicht haben soll, die Code des Unix System V Release 4 von SCO enthielt. Diese Version sei zwar nur zum Beta-Test (bei IBM „Programming Request for Price Quote“ PRPQ genannt) verwendet worden, doch habe IBM damit SCO getäuscht und so eine Nebenpflicht („non-contractual duty“) gegenüber dem Geschäftspartner verletzt.

Die Täuschung erfolgte vor dem Hintergrund, dass SCO zu dieser Zeit im Rahmen des Projekts Monterey selbst ein AIX 5L angekündigt hatte. Dieser Argumentation folgte das Berufungsgericht und verwies den Streitfall zurück an das Gericht in Salt Lake City. Dort muss Richter David Nuffer nun entscheiden, ob die Freigabe einer von SCO als „sham version“ bezeichneten Beta-Version durch IBM bereits eine Täuschung des Geschäftspartners gewesen ist, aus der dieser eine Kompensation für entgangene Gewinne geltend machen kann. (Detlef Borchers) / (psz)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.