Ortung per Sprache: Mercedes-Benz setzt auf Drei-Wort-Adresssystem

Ortung per Sprache: Mercedes-Benz setzt auf Drei-Wort-Adresssystem

Stefan Krempl

(Bild: Daimler)

Als erster Autohersteller will Mercedes-Benz das neue Koordinatensystem von what3words nutzen und binnen weniger Monate exklusiv eine Serienlösung für die Navigation in einem Modell vorstellen. Die Adresseingabe soll damit einfacher und genauer werden.

Mercedes-Benz hat bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt angekündigt, als erster Autohersteller das Ortungs- und Koordinatensystem des Londoner Startups what3words verwenden zu wollen. Die Firma ordnet 3 mal 3 Metern großen Flächen auf der Erde je drei Wörter zu und macht den Ort so vergleichsweise einfach und eindeutig identifizierbar. Die Daimler-Marke erhofft sich von der Kooperation, dass damit Fahrer auch bislang nicht mit Straßenadressen versehene Punkte auf der Welt leichter ansteuern können.

Klassische Adresssysteme eignen sich laut Mercedes-Benz für viele Alltagsbedürfnisse nicht. So gebe es weltweit viele Gebiete, in denen es etwa abseits von Siedlungen, in Parks, im Wald oder in den Bergen gar keine genauen Anschriften gebe. Dazu komme, dass Adressen generell unpräzise oder uneindeutig sein könnten, da es Straßennamen mehrfach gebe. Jeder Punkt der Erde sei zwar über seine GPS-Koordinaten bestimmbar, diese komplizierten Zahlenfolgen könne sich aber kaum ein Mensch merken.

„fantastische.rohre.werkzeuge“

Die Tüftler von what3words haben den ganzen Globus in 57 Billionen Quadrate unterteilt und jedem davon drei Wörter zugeteilt. Die erste Tankstelle der Welt in der Stadtapotheke Wiesloch ist etwa über „meister.fahrende.fackel“ ansteuerbar, der Heise-Verlag in Hannover über Ortungen wie „fantastische.rohre.werkzeuge“ oder „speer.sowie.kopf“. Ein Algorithmus soll bei der Vergabe den jeweils verwendeten Wortschatz von rund 25.000 Wörtern so eingesetzt haben, dass verwechslungsträchtige Kombinationen weit auseinander liegen und sowohl Menschen als auch Maschinen Fehler bei der Eingabe leicht bemerken können. Das System, in das im April auch die Deutsche Bahn investiert hat, ist mittlerweile in 14 Sprachen verfügbar.

Die Idee stach Daimler-Chef Dieter Zetsche ins Auge, erste Tests des Konzerns mit der Innovationsplattform „Startup Autobahn“ begannen im Februar. Nun sind sich die Stuttgarter sicher: „Innerhalb des nächsten halben Jahres wird Mercedes-Benz das innovative Adresssystem exklusiv als Serienlösung für die Navigation in einem Automodell vorstellen.“ Per Sprache könnten die Kunden dann künftig mit nur 3 Wörtern Ihr Ziel eingeben und auf neun Quadratmeter genau weltweit ankommen.

Wer das System ausprobieren möchte, kann dies auf einer Kartenapp der Londoner übers Web tun. Hineinschnuppern in die Mercedes-Navigationspläne lässt sich auf der IAA am Stand der Stuttgarter in der Messehalle 2. (axk)

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