Bitcoin vor der Spaltung: „Bitcoin Cash“ will eigenständiges Kryptogeld werden

Bitcoin vor der Spaltung: „Bitcoin Cash“ will eigenständiges Kryptogeld werden

Axel Kannenberg

Bitcoin-Münzen beim Münzhandel «BitcoinCommodities» in Berlin.

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

Am Dienstag will eine Minderheit der Bitcoin-Miner eine Abspaltung vom Bitcoin mit dem Namen „Bitcoin Cash“ erzeugen. Die soll deutlich größere Blöcke in der Blockchain ermöglichen.

Am Dienstag soll es gegen 14:20 Uhr beim Kryptogeld Bitcoin zu einer Abspaltung kommen, einem sogenannten Hard Fork: Dabei will ein Bitcoin Cash genanntes Projekt eine Blockchain mit 8 MByte großen Datenblöcken erzeugen, die zu den Protokollregeln des Bitcoin nicht mehr kompatibel ist. Sollte das glücken, werden zwei verschiedene Blockchains erzeugt, die künftig separat voneinander laufen und folglich zwei unterschiedliche Kryptowährungen bilden.

Da beide Chains bis zur Spaltung die gleiche Historie teilen, heißt das dann für Nutzer: Zum Zeitpunkt vor der Spaltung vorhandene Coins existieren nun in zwei verschiedenen Chains. Wer also vorher 12 Bitcoin hatte, hat dann 12 Bitcoin und 12 Bitcoin Cash. Bitcoin Cash wird allerdings nicht automatisch den gleichen Wert wie der Bitcoin haben – auch hier wird die Preisfindung wie beim Kryptogeld üblich dem freien Marktgeschehen an Tauschbörsen überlassen sein. Bislang haben Börsen wie Kraken (über die Tochter cryptowat.ch), Okcoin und Coinfloor angekündigt, den neuen Coin handeln zu wollen.

Nicht überall Zugriff auf Bitcoin Cash

Wer sich für das Bitcoin-Cash-Guthaben nicht interessiert, muss nichts unternehmen. Nutzer, die aber auch auf ihr Bitcoin-Cash-Guthaben zugreifen wollen, sollten sich unbedingt informieren, ob ihre Wallet oder der zur Aufbewahrung des Guthabens genutzte Onlinedienst auch wirklich die neue Währung unterstützt. Der beliebte Dienst Coinbase ließ bereits durchblicken, genau das nicht zu tun, die Wallet Electrum ebenso. Auch Nutzer von Hardwarewallets wie Ledger und Trezor sollten auf die Hinweise der Anbieter achten.

Die deutsche Tauschplattform Bitcoin.de teilte mit, Bitcoin Cash prinzipiell zu unterstützen. Am Dienstag ab 12 Uhr wolle man aus technischen Gründen zunächst keine Transaktionen mehr verarbeiten, zwischen 14:15 und 14:30 werde die Plattform auch nicht erreichbar sein. Über die Dauer der Aussetzungen will man via Twitter und Facebook informieren. Im Anschluss soll dann der Stand beider Guthaben angezeigt werden. Bis auch Bitcoin-Cash-Abhebungen möglich sind, soll es aber noch dauern.

Als Grund gibt die Bitcoin.de noch offene Fragen beim Replay-Schutz der Bitcoin-Cash-Software an. Damit ist ein Schutz gemeint, der verhindert, dass eine Transaktion auf einer der beiden Chains von Angreifern auch an Nodes der anderen Chain gesendet werden kann. Die Transaktion würde dann – vom Nutzer ungewollt – auch in der anderen Chain verarbeitet werden und von beiden Guthaben abgehen.

Die Volksfront von Judäa gegen die judäische Volksfront

Hintergrund des Forks ist ein mit Klauen und Zähnen geführter Streit in der Bitcoin-Community, wie man die Währung effizienter gestalten kann, damit sie mehr Transaktionen pro Sekunde bewältigen kann. Momentan liegt der Flaschenhals in der auf 1 MByte festgelegten Größe der Datenblöcke der Blockchain. Diese Blockkapazität gerät an ihre Grenzen, die Zahlungsgebühren für Nutzer steigen und immer wieder kommt es zu Staus bei noch unbestätigten Transaktionen, die teilweise tagelang auf Eintrag in einen Datenblock warten müssen.

Aus dem schwer durchschaubaren Gewirr der Änderungsvorschläge für den Bitcoin hat sich kürzlich erst ein Kompromiss-Vorschlag namens Segwit 2x als möglicher Mehrheits-Kandidat herausgeschält. Der sieht zunächst eine Änderung namens Segregated Witness vor, die die Speicherung von Transaktionssignaturen in den Blöcken modifiziert. Darauf soll dann 3 Monate später noch eine Erhöhung der Blockgröße auf 2 Mbyte erfolgen, ebenfalls als ein Hard Fork.

Die unbeugsamen Gallier

Ein Kreis Unbeugsamer befürchtet aber, dass genau diese spätere Blockgrößen-Erhöhung doch nicht kommen könnte, und will deshalb nicht mitziehen: Dahinter stehen bislang hauptsächlich der professionelle chinesische Mining-Pool ViaBTC sowie die Entwickler des Clients Bitcoin ABC, die beide lieber die Spaltung mit Bitcoin Cash vorantreiben. Segregated Witness ist nicht Teil der Abspaltung und die Blöcke sollen hier auch gleich 8 Mbyte groß sein.

Aktuellen Zahlen von Blockchain.info nach entfallen derzeit rund 3 bis 4 Prozent der gesamten Hashingleistung des Bitcoinnetzwerks auf ViaBTC; mit Bitcoin-ABC-Software laufen laut coin.dance etwas über 250 Nodes. Es handelt es sich also um eine Minderheitsabspaltung vom Bitcoin. Wie lebensfähig sie ist, muss man abwarten. Beispielweise könnte ein Großteil der Nutzer seine Cash-Coins so schnell wie möglich abstoßen, den Preis damit in den Keller treiben und es für Miner unrentabel machen, weiter Bitcoin Cash zu schürfen.

Letztlich ist der Ausgang des Prozesses aber offen. Nutzer sollten jedenfalls am morgigen Dienstag Bitcoin-Transaktionen möglichst vermeiden und abwarten, bis die Situation geklärt ist. (axk)

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