RoboCup-Finale: Die Maschinenkicker legen zu – und deutsche Teams räumen ab

RoboCup-Finale: Die Maschinenkicker legen zu – und deutsche Teams räumen ab

Hans-Arthur Marsiske

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Der Finale der diesjährigen RoboCup-Weltmeisterschaft sind gelaufen – mit einigen überraschenden Ergebnissen. Am Ende gab es wieder das „Freundschaftsspiel“ Mensch gegen Maschine.

Anfangs war es noch eher ein Spaß, wenn zum Abschluss eines RoboCup-Turniers die Trustees der RoboCup Federation ein Team bildeten, um gegen die siegreichen Roboter der Middle Size League anzutreten. Bei der heute beendeten 21. RoboCup-Weltmeisterschaft in Nagoya mussten sich die Menschen schon sichtlich anstrengen, um sich gegen die Maschinen durchzusetzen. Etliche Schüsse aufs Tor wurden vom Roboter gehalten, andere gingen an Pfosten oder Latte – und die Trustees kassierten einen Gegentreffer. „Das war ein klares Tor“, sagte Fernando Ribeiro (Universidade do Minho) hinterher, „kein geschenktes.“ Am Ende konnten die Menschen das Spiel aber mit 3:1 klar für sich entscheiden.

Lesen Sie dazu auch die Artikelserie „Meisterschaft der Maschinen“ bei c’t:

Zuvor waren im Finale der Middle Size League wieder einmal Tech United (Eindhoven University of Technology) und Water (Beijing Information Science & Technology University) gegeneinander angetreten. Diesmal konnte sich Water mit 6:3 durchsetzen, wobei sich bewährte, dass die Roboter die Gegenspieler frühzeitig angriffen, um sie am passen zu hindern. Insgesamt beeindruckt diese Liga mittlerweile durch vielfältige Spielzüge, bei denen Pässe längst nicht mehr nur aus Standardsituationen heraus gespielt werden, sondern auch aus dem Spiel heraus. Auch gut gezielte hohe Bälle treffen immer wieder das Tor – eine besondere Spezialität des Teams Cambada (University of Aveiro), das sich im Halbfinale gegen Water knapp mit 2:1 nach Verlängerung geschlagen geben musste.

2:1 war auch der Endstand des Finales in der Small Size League, das die ER-Force (Uni Erlangen-Nürnberg) gegen das chinesische Team SRC (Seer Robotics, Shanghai) verlor – und damit ihr bislang bestes Ergebnis erzielte.

Schneller aufstehen

Und noch ein weiteres Finale ging 2:1 aus. In der Standard Platform trennten sich B-Human (Uni Bremen) und das Nao-Team HTWK (HAW Leipzig) mit diesem Ergebnis. Bremen führte zunächst mit 2:0, dann roch es nach einem Anschlusstreffer der Leipziger zum Ende der zweiten Halbzeit noch kurz nach Verlängerung. Doch es blieb dabei, obwohl Leipzig durchaus mithalten konnte. Insbesondere das bessere Aufstehverhalten erwies sich als Vorteil: Die Leipziger Roboter schaffen es nach Stürzen, innerhalb von weniger als zwei Sekunden wieder auf den Beinen zu stehen, geschätzte zwei Sekunden schneller als die Bremer. Das war insofern von Bedeutung, als es aufgrund schlechter Platzverhältnisse häufig zu Stürzen kam. Der Kunstrasen war auf wackeligen Holzplatten aufgezogen und zudem recht uneben. Insbesondere die weißen Spielfeldmarkierungen erwiesen sich als Problem, weil sie deutlich niedriger lagen als der übrige Rasen. In dieser Begegnung war die Leipziger Stärke dann aber nicht spielentscheidend. Da das Spiel um den dritten Platz von den Nao Devils (TU Dortmund) mit 4:0 gegen UT Austin Villa (University of Texas Austin) gewonnen wurde, belegen in dieser Liga ausschließlich Teams aus Deutschland die ersten drei Plätze.

Deutsch-deutsch war auch das Finale in der Humanoid League Adult Size, das NimbRo (Uni Bonn) gegen Sweaty (Hochschule Offenburg) mit 11:1 klar für sich entscheiden konnte. Sweaty hatte Netzwerkprobleme, machte ansonsten eine gute Figur, doch der Roboter von NimbRo war deutlich besser.

„Elfmeter-Schießen“ nach Verlängerung

Ein dramatisches Spiel gab es in der Finalrunde der 2D Simulation League. Hier wird der Sieger nach einem neuen System ermittelt, bei dem zunächst nach Punkten und Torverhältnissen eine Rangfolge der acht besten Teams gebildet wird. Dann spielt der Achtplatzierte gegen den Siebten, der Sieger des Spiels gegen den Sechsten und so weiter bis zum Finalspiel um den ersten Platz. Das Team Oxsy aus Rumänien traf hier beim Spiel um den fünften Platz auf das chinesische Team HfutEngine2017 (Hefei University of Technology), lag zunächst 2:1 zurück, erzwang dann aber mit 2:2 die Verlängerung, in der keine weiteren Tore fielen. Dann konnte jedes Team abwechselnd fünf Strafstöße ausführen, was bedeutet, dass ein Spieler von der Mittellinie aus aufs Tor dribbelt und dabei den Torwart austricksen muss. Sobald der Torwart den Ball berührt, gilt er als gehalten. Oxsy legte zunächst ein Tor vor, das aber vom Gegner ausgeglichen werden konnte und entschied das Spiel erst mit dem letzten Strafstoß für sich. Es zeigte sich (wieder einmal): Selbst in seiner abstraktesten Form, wenn nur zweidimensionale Scheiben über einen Bildschirm huschen, kann Fußball ausgesprochen spannend und nervenzehrend sein.

Oxsy gewann auch das nächste Spiel durch Strafstöße, wurde dann aber durch FRA-UNIted (HAW Frankfurt) auf den dritten Platz verwiesen. Das Frankfurter Team ist eine Gründung von Thomas Gabel, der in früheren Jahren mit den „Brainstormers“ mehrere Titel gewonnen hat und jetzt erst im Finale dem japanischen Team Helios (Fukuoka University / Osaka Prefecture University) mit 2:0 geschlagen geben musste.

In der 3D Simulation League erreichte mit Magma Offenburg (Hochschule Offenburg) ebenfalls ein deutsches Team das Finale, verlor aber wie erwartet gegen UT Austin Villa (University of Texas at Austin) – immerhin nur mit 3:0, „das knappste Ergebnis in einem 3D-Finale seit langem“, wie Teamleiter Klaus Dorer betont. Er verspricht auch, dass alle Spiele der Simulationsligen bald (womöglich schon beim Erscheinen dieses Artikels) unter diesem Link abrufbar sein sollen.

Maschinelles Lernen

Die Simulationsligen waren beim RoboCup Vorreiter bei der Entwicklung und Nutzung von maschinellem Lernen für die Programmierung von Robotern. Inzwischen ist das auch ein beherrschendes Thema in den Hardware-Ligen, nicht nur beim Fußball, sondern etwa auch in der [email protected] League für Haushaltsroboter. Hier präsentierten viele Teams Ansätze, wie Roboter mithilfe von Methoden des Deep Learning sich nach und nach besser in ihrer Umwelt orientieren sollen. Zudem hat die Einführung der zwei Standardplattformen Pepper (Softbank) und Human Support Robot HSR (Toyota) Schwung in die Liga gebracht. „Die Zahl der teilnehmenden Teams hat sich um 50 Prozent erhöht“, sagt Sven Wachsmuth (Uni Bielefeld), Ko-Organisator der Liga. Die Präsentationen zu diesen Standardrobotern in der Finalrunde hatten teilweise noch mit technischen Problemen zu kämpfen, waren von den Ideen her aber sehr interessant. So zeigte das Team AUPAIR (Seoul National University), wie vielfältig die Kommunikationsmöglichkeiten des Roboters Pepper genutzt werden können. Das japanische Team [email protected] (Tamagawa University / National Institute of Informatics / National Institute of Information and Communications Technology) stellte ein Verfahren vor, wie sich der Roboter HSR in Situationen, in denen er nicht weiterkommt, übers Internet Hilfe holen kann.

Die Wettkämpfe sind damit vorbei, der diesjährige RoboCup aber noch nicht: Morgen ist beim Symposium Gelegenheit, sich über die wissenschaftlichen Hintergründe in ruhigerer Umgebung gründlicher auszutauschen. (thk)

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