G20-Gipfel: Globales Wettbewerbsnetz soll digitale „Superstar-Konzerne“ einhegen

G20-Gipfel: Globales Wettbewerbsnetz soll digitale „Superstar-Konzerne“ einhegen

Stefan Krempl

Die G20-Länder,

(Bild: g20.org)

Die Münchner Ökonomin Dalia Marin hat als Teil des wissenschaftlichen Beraterstabs für den G20-Gipfel in Hamburg neue Wege ins Spiel gebracht, um Facebook & Co. kartellrechtlich an die Kandare zu nehmen.

Die Debatte über Strategien, mit denen sich die Datenmacht der großen Online-Plattformen in der digitalen Wirtschaft begrenzen lassen könnte, ist bereits reich an Vorschlägen – bis dahin, Google und Co. zu zerschlagen. Anlässlich des diesjährigen G20-Gipfels unter der deutschen Präsidentschaft hat sich jetzt auch die Münchner Wirtschaftswissenschaftlerin Dalia Marin an der Diskussion beteiligt. Die Ökonomin gehört dem wissenschaftlichen Beraterstabs für den G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg an und hat in dieser Funktion ein „Weltwettbewerbsnetzwerk“ ins Spiel gebracht, das die digitalen „Superstar-Firmen“ zähmen soll.

Dieser Zusammenschluss auf Ebene der G20-Mitglieder müsse ein „effektives Rahmenwerk“ entwickeln, um das Kartellrecht besser international gegen Konzerne durchsetzen zu können, die mit grenzüberschreitenden Geschäftspraktiken den Wettbewerb und Innovationen behindern. Über den Verbund ließen sich laut Marin Kartellrechtsentscheidungen und -untersuchungen der zuständigen Behörden besser koordinieren und neue Richtlinien entwickeln, um Marktmacht in der Online-Wirtschaft genauer zu fassen.

Konzentrierte Macht

Das Wettbewerbsrecht müsse für das digitale Zeitalter neu erfunden werden, wobei etwa der Wert von Big Data und Algorithmen einzubeziehen sei. Skalen- und Netzwerkeffekte mit den gängigen Folgen wie der immer festeren Bindung der Nutzer an eine Plattform könnten die Eintrittshürden für kleinere Herausforderer in Form etwa von Startups auf den Markt erhöhen, wettbewerbsfeindliches Verhalten fördern und die Macht in einer Handvoll besonders großer Portale konzentrieren, schreibt Marin. Diese hätten dann auch bessere Lobbymöglichkeiten, um für sie ungünstige politische Regeln zu verhindern. Wegen der globalen Ausrichtung solcher Platzhirschen sei auch nicht davon auszugehen, dass sich dieses Phänomen von selbst korrigierten.

Die Wissenschaftlerin warnt, dass mit Laissez-faire gerade im digitalen Bereich die Ungleichheit zwischen Kapital und Arbeitskraft massiv zu verstärken drohe und breite, auch politische und gesellschaftliche Umwälzungen drohten. Software-Plattformen und Online-Dienste etwa seien zwar nicht ganz leicht zu entwickeln und zu installieren. Dafür könne ihr Einsatz äußerst günstig ausgeweitet, ohne große weitere Kosten ihre Nutzerzahl erhöht werden. Viele Mitarbeiter seien dafür nicht mehr erforderlich. Zusätzlich könnten viele menschlichen Tätigkeiten dank der Digitaltechnik durch Roboter ersetzt werden. Insgesamt werde damit der soziale Zusammenhalt gefährdet, Populisten erhielten Aufwind. (anw)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.