Fraunhofer IIS: Lizenzprogramm für MP3 endet

Fraunhofer IIS: Lizenzprogramm für MP3 endet

Daniel Herbig

(Bild: dpa, Martin Gerten/Archiv)

Die letzten MP3-Patente, die Teil des Lizenzprogramms von Technicolor und des Fraunhofer IIS waren, sind abgelaufen. Der MP3-Standard ist damit erstmals frei.

Das Lizenzprogramm für MP3 des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) und Technicolor (früher Thomson) ist beendet. Am 23. April lief das letzte noch verbleibende Patent in den USA ab. In Europa ist die MP3-Technik bereits seit 2012 patentfrei.

Die Entwicklung des MP3-Kodierungsstandards begann in den späten 80er Jahren am Fraunhofer IIS in Nürnberg/Erlangen. Lange war MP3 der effizienteste verlustbehaftete Audiostandard. Trotz effizienterer Alternativen wie Ogg Vorbis oder Advanced Audio Coding (AAC) ist das Format bis heute der Quasistandard im Internet und auch für digitale Musikkäufe.

Kosten vom Einzelfall abhängig

„Die meisten aktuellen Mediendienste wie Streaming oder TV- und Radio-Übertragungen nutzen moderne ISO-MPEG-Codecs wie die AAC-Familie oder künftig MPEG-H“, heißt es in einer Mitteilung des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS. „Diese Codecs haben mehr Features und eine bessere Audioqualität bei viel niedrigeren Bitraten als MP3.“

Während der MP3-Standard damit komplett gratis wird, bleibt beispielsweise die MP3-Software von Fraunhofer kostenpflichtig. „MP3 ist ein offener ISO-MPEG-Standard, aber die Fraunhofer-MP3-Software ist keine Open-Source-Software“, teilte das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen auf Nachfrage von heise online mit. „Der Ablauf der Patente bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine spezifische MP3-Implementierung nicht auch gewisse Teile von Patenten nutzt, die noch nicht abgelaufen sind.“ Die Frage, ob das MP3-Format ohne Lizenzkosten genutzt werden darf, könne also nicht pauschal beantwortet werden.

(dahe)

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