Zwei Jahre Apple Watch: Fast so groß wie Rolex

Zwei Jahre Apple Watch: Fast so groß wie Rolex

Ben Schwan

Apple-Chef Cook bei der Vorstellung der Apple Watch im September 2014. Bis zum Marktstart dauerte es da noch Monate.

(Bild: dpa, Kay Nietfeld)

In dieser Woche feiert die Computeruhr aus Cupertino runden Geburtstag. Mac & i blickt zurück.

Ist die Apple Watch nun das erste wichtige neue Produkt Apples, das ganz allein unter der Verantwortung von CEO Tim Cook entstanden ist – oder hatte Vorgänger Steve Jobs kurz vor seinem Tod doch noch ein Wörtchen bei dem ersten Wearable aus Cupertino mitzureden?

Apple-Watch-Dreierbund

Die Antwort auf diese Frage wird die Menschheit außerhalb der geheimnisumwitterten Apple-Räumlichkeiten in Kalifornien wohl nie erfahren. Klar scheint zu sein, dass sich der im Herbst 2011 verstorbene Apple-Mitbegründer durchaus für Wearables interessierte und sein Gestaltungsteam anspornte, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Doch die Hauptarbeit an der Apple Watch fand erst in den Jahren nach Jobs‘ viel zu frühen Ableben statt. Hauptverantwortliche sollen Chief Design Officer Jony Ive (Gestaltung), der von Adobe abgeworbene Kevin Lynch (Software) und Operations-Chef Jeff Williams (alles andere) gewesen sein. Vorgestellt wurde die erste Computeruhr Apples der Weltöffentlichkeit dann im September 2014.

Auf den Markt kam die Apple Watch allerdings erst am 24. April 2015, also in dieser Woche vor fast genau zwei Jahren. Das Gerät verlangte von seinen Erstkäufern, die mindestens 400 Euro investieren mussten, einige Zugeständnisse. Ohne ein iPhone, das mindestens der Baureihe 5 anzugehören hatte, ging mit der Computeruhr wenig – vom Einrichtungsvorgang bis zum GPS-Tracking für sportliche Aktivitäten.

Zielgruppe iPhone-Benutzer

Mittlerweile ist die im September 2016 vorgestellte Apple Watch Series 2 zwar etwas unabhängiger vom iPhone geworden – etwa dank eingebauter Satellitennavigation. Doch ohne ein Apple-Handy ist die Uhr mangels integriertem Mobilfunkchip nur in Ausnahmefällen – etwa bei Sport oder in einem WLAN – einzeln benutzbar. Entsprechend ist die Zielgruppe weiterhin auf iPhone-Besitzer konzentriert, was aufgrund der gigantischen Verkaufszahlen des Smartphones in Cupertino aber niemanden zu stören scheint.

Bei der Vorstellung der Apple Watch war wohl auch Apple noch nicht ganz klar, wie die Uhr vom Endkunden eingesetzt werden würde. Neben dem Sporttracking betonte Apple anfangs die Möglichkeit, eigene Apps zu installieren, auch wenn diese anfangs kaum mehr waren als der (oftmals lahme) Wurmfortsatz von iPhone-Programmen. Erst mit watchOS 2 (September 2015) wurden native Anwendungen unterstützt und der schnelle Wechsel zwischen Apps kam dank Dock in watchOS 3 erst ein Jahr später hinzu. Apples Idee, eine neue Kommunikationsform mittels Apple-Watch-Taps und der Zeichnerei von Skizzen auf dem Display („Digital Touch“) einzuführen, fand wenig Anklang.

Täglicher Einsatz

Heute dient die Apple Watch ihren Besitzern vor allem auf drei Arten: Als Uhr mit breit konfigurierbaren Zifferblättern, als Fitnesssensor, der täglich zurückgelegte Schritte, Herzfrequenz, Sportsitzungen und allgemeines Bewegungsverhalten erfasst, und als Benachrichtigungsgerät für Inhalte, die man bislang vom Smartphone ablesen musste. Das Anschauen und Beantworten von SMS und iMessages geht auf der Watch ebenso gut wie der schnelle Blick auf Notifications diverser iOS-Apps. Man verpasst dank der Uhr weniger Neuigkeiten und bearbeitet sie am Handgelenk schneller. Auch als Anzeigegerät für Navigationshinweise ist die Watch toll – und in Ländern mit Apple Pay kann die Uhr als NFC-Zahlungsmittel verwendet werden.

Zwar gibt es mittlerweile Tausende watchOS-Apps, doch haben sich Killeranwendungen auch zwei Jahre nach dem Start der Plattform nicht wirklich ausentwickelt. Gerne verwendet werden in der Mac & i-Redaktion beispielsweise 1Password (Passwortmanager), Runtastic (alternative Lauf-App) oder Drafts (Notizerfassung). Dass die Nutzungszahlen wohl unter den Erwartungen von Entwicklern liegen, zeigt sich aber unter anderem darin, dass kürzlich Google Maps, Amazon und eBay ihre watchOS-Programme zurückzogen. Es läuft darauf hinaus, dass Apple mit seinen mitgelieferten Apps die Uhr beherrscht – auch, weil der Konzern immer noch mehr technische Möglichkeiten hat als App-Entwickler.

Erfolg oder Misserfolg?

Ist die Apple Watch ein Erfolg? Im mittlerweile wieder etwas abgeflauten Wearables-Markt auf jeden Fall. Die Apple-Uhren stehen nach wie vor an der Spitze gegenüber den (anfangs zahlreichen) Konkurrenten mit Android Wear, der Marktanteil soll, je nach Statistik, bei 40 bis 50 Prozent liegen. Bei den Umsätzen dominiert Apple noch deutlicher. Tim Cook zufolge ist man mittlerweile nach Rolex umsatzmäßig die weltweit größte Uhrenfirma überhaupt. Angaben zu den tatsächlichen Verkaufszahlen macht Apple dennoch nach wie vor nicht – anfangs hieß es, man wolle der Konkurrenz keine Vorteile verschaffen. Marktforscher glauben, das im vierten Quartal 2016 etwa sechs Millionen Apple-Watch-Geräte verkauft wurden.

Der Versuch, die Apple Watch zu einem Luxusprodukt zu machen, kann dagegen als gescheitert gelten. Bis zu sagenhafte 18.000 Euro sollten Echtgoldvarianten der ersten Generation kosten, die Apple in seinen Läden interessierten Personen nach Anmeldung in privaten Einzelpräsentationen vorstellte. Mit Erscheinen der zweiten Apple-Watch-Generation wurde die Edition genannte goldene Nobelvariante eingestampft und in Form einer ab 1450 Euro erhältlichen Keramikversion neu aufgelegt. Daneben arbeiten Apple weiterhin mit dem französischen Luxus-Modehaus Hèrmes zusammen, das Sondereditionen und eigene Armbänder für die Uhr offeriert – allerdings keine davon zu den einst verlangten Monsterpreisen für die Goldvarianten. Mit der Apple Watch Series 2 wurde die Uhr im Herbst 2016 zudem erstmals wasserresistent.

Der Markt wartet unterdessen für 2017 darauf, dass es mit Apples Watch-Sparte technisch weitergeht. Vom iPhone unabhängige Geräte mit integriertem LTE-Chip werden ebenso vorhergesagt wie eine noch bessere Hardware. Echte Killer-Apps fehlen wie erwähnt nach wie vor und so bleibt es Apple überlassen, die Uhr Software-technisch voranzubringen. Ein zweites iPhone ist die Apple Watch zwei Jahre nach der Auslieferung der ersten Version nicht geworden – aber ein für Apple durchaus lukratives neues Standbein. (bsc)

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