Schweizerische Post will Drohnen für Laborproben-Lieferungen nutzen

Schweizerische Post will Drohnen für Laborproben-Lieferungen nutzen

Tom Sperlich

(Bild: Die Post)

Die Schweizerische Post präsentierte am Freitag eine autonome Paketdrohne: Sie soll bald zum regelmässigen kommerziellen Pendelverkehr starten. Die behördliche Genehmigung wurde schon erteilt.

In der Südschweiz wurde am Freitag eine erste kommerzielle Anwendung in der Drohnenlogistik von der Schweizerischen Post, dem Tessiner Spitalverbund EOC (Ente Ospedaliero Cantonale) und dem US-Drohnenhersteller Matternet vorgestellt. Künftig soll mit regelmässigen Flügen autonomer Drohnen der Austausch von Laborproben zwischen den zwei EOC-Spitälern in Lugano – dem „Ospedale Italiano“ und dem „Ospedale Civico“ – abgewickelt werden.

Die beiden Krankenhäuser sind gut einen Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Bislang erfolgt dieser Lieferverkehr auf der Strasse, mit dem Auto dauert die Fahrt knapp zehn Minuten. Die Drohne braucht für die Strecke knapp zwei Minuten. Die ersten Tests seien vielversprechend, bilanzierte die Post am Freitag.

70 Testflüge absolviert

Durch den Einsatz der Drohnen sollen die Transporte schneller und effizienter werden, um so die Versorgung der Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern, schreibt die Post in einer Mitteilung. Dass eine Drohne in einer Stadt den Austausch von Laborproben sicherstellen soll, ist eine Schweizer Premiere – auch weltweit übernehme die Post damit eine Pionierrolle in der Drohnenlogistik, teilt das Unternehmen außerdem mit.

Bereits im Sommer 2015 prüfte die Schweizerische Post erstmals zusammen mit Matternet den Einsatz von Drohnen in der Logistik. Seit Mitte März 2017 fanden dann zwischen den beiden Spitalstandorten rund 70 Testflüge des autonomen Quadrokopters statt. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) sei von Beginn an im Projekt involviert gewesen, habe die Drohne und ihre Sicherheitskomponenten geprüft, die luftrechtlichen Bedingungen definiert und der Post und Matternet schliesslich die Bewilligung für die Flüge erteilt.

Regelbetrieb ab 2018 geplant

Bis zum 4. April würden die Partner weitere Testflüge durchführen, hiess es weiter. Danach erfolge eine erste Auswertung, anschliessend ist für den Sommer 2017 eine weitere einmonatige Testphase mit Flügen zwischen den beiden Krankenhäusern geplant. Die Post geht derzeit davon aus, dass der regelmässige Drohneneinsatz zwischen den beiden Spitälern ab 2018 zum Alltag gehören könnte.

Ab diesem Zeitpunkt sollen geschulte Spitalmitarbeitende den Quadrokopter selbstständig mit einer Sicherheitsbox (in der die Laborproben verpackt sind) beladen und die Drohne mittels einer Smartphone-App losschicken können. Die Drohne wird dann autonom entlang der vordefinierten Route zum Zielort fliegen, wo die Box von einem anderen Mitarbeitenden in Empfang genommen wird. Bis sie endgültig alleine losschwirren darf, muss die Drohne den Nachweis erbringen, dass sie alle hohen Anforderungen bezüglich Sicherheit, Praxistauglichkeit und Zuverlässigkeit erfüllt.

Paketzustellung ergänzen, nicht ersetzen

Bei der in Lugano eingesetzten Logistikdrohne handelt es sich um einen Quadrokopter des amerikanischen Herstellers Matternet. Die Drohne hat eine kompakte Grösse von 80 Zentimetern im Durchmesser (ohne Rotorblätter), ist auf den Transport von leichten Gütern bis zwei Kilogramm spezialisiert, verfügt über eine maximale Reichweite von 20 Kilometern und fliegt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 Metern pro Sekunde (36 Kilometern pro Stunde).

Am Start- und Landepunkt befindet sich ein sogenanntes „Landing Pad“, das ein Infrarotsignal absetzt. Beim Anflug kann die Drohne dieses Signal erfassen und dadurch punktgenau landen. Wie die Post betont, seien aus Sicherheitsgründen sowohl der Autopilot als auch andere wichtige Sensoren (z. B. Höhenmesser, Beschleunigungsmesser, Gyrometer) immer in doppelter Ausführung eingebaut worden. Sollte die gesamte Elektronik ausfallen, würde ein Fallschirm automatisch ausgelöst.

Für die Post sei der Einsatz von Drohnen in der Logistik vor allem auf der „letzten Meile“ interessant. Im Vordergrund stünden dabei Transporte von Spezialsendungen oder die Versorgung einer nach einem Unwetter von der Umwelt abgeschnittenen Siedlung. Drohnen würden in Zukunft die traditionelle Paketzustellung sinnvoll ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Neben Drohnen testet die Post auch andere autonome Systeme wie Lieferroboter oder intelligente Shuttles. (axk)

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